Golf und Segeln

Segelyacht Charter mit Skipper

* Reisebericht von Marlis Krüger *

Segeln zwischen Okzident und Orient

Für die Zeit, in der die Schatten schon etwas länger und die Tage kürzer werden, hatten wir,
zwei befreundete Paare im sportlichen Alter zwischen 50 und 60,
uns  in Belek an der türkischen Riviera für einen einwöchigen Golfurlaub eingebucht.
Als  Kontrastprogramm dazu wollten wir vorgezogen die Südwest-Türkei mit den vielen,
beschaulichen Buchten, kristallklarem Wasser, kleinen  Ortschaften voller Ursprünglichkeit
und einer fast unberührten Natur auf den Planken einer Segelyacht erobern.
Hierfür zeichnete uns ein ordentliches Maß an Unternehmungsgeist, aber keine Segelerfahrung aus.

Nach der Anreise aus dem herbstlich kühlen Norden und einer ersten erholsamen Nacht an Bord,
sah uns der Morgen  genüsslich zum Frühstück in der Plicht versammelt.
Wir ließen es gemächlich angehen, denn für heute war zum Eingewöhnen geruhsames segeln im recht geschützten Fethiye - Golf angesagt.
Unser Skipper, der seine Seebeine in  jungen Jahren als Berufsseemann bei der Handelsschifffahrt erworben hatte,
nutzte dabei die Gelegenheit, uns an Hand einer zwischen Mittelfinger und Daumen gespannten Stoffserviette
und kräftigem Pusten die Aerodynamik des Segelns näher zu bringen.
So vorbereitet und  mit Sonnenschutzfaktor 20 nebst Mütze gegen die kräftig aufkommende Sonne gewappnet, setzten wir die Segel.
Eine sanfte Dünung ließ uns den Atem des Meeres spüren und das leise Plätschern der kleinen Katzenpfötchen-Wellen führte uns sanft in eine andere Welt.
Stress, wo bist du geblieben?
Am frühen Nachmittag steuerten wir unsere erste Bucht an und gingen vor Anker.
Totale Ruhe umgab uns, nur das Geläut der Ziegen einer am dicht bewaldeten Ufer von einem Hirten vorbeigetriebenen Herde unterbrach die Stille.
Das kristallklare warme Wasser, in dem man von Bord aus in 15 m Tiefe den Anker liegen sah,
forderte  zum Eintauchen auf und so kamen die „nur Schwimmenden“ als auch die „ Schnorchler“ voll zu ihrem Genuss.

Für den Abend fuhren wir „um die Ecke“ und machten mit dem Heck am zu einem Restaurant gehörenden Holzsteg fest.
Nach einem ausführlichen Landausflug, der etwas unsere Kondition testet,
versammelten wir uns zu dem zum angenehmen Ritual werdende „sundowner“ an Bord,
bis der Restaurantwirt Mehmet  auf dem Steg erschien und seine Schäfchen zu Tisch rief.
Köstliche türkische Vorspeisen und zarte Lamm Kottelett`s vom Grill bildeten einen gelungenen Tagesausklang.

Der Duft von im Steinofen frisch gebackenem Brot, der über die im Morgenschatten liegende Buch zog,
weckte uns rechtzeitig und so zogen wir alsbald hinaus in das offene Gewässer des Göcek- Golfes und setzten die Segel.
Wer wollte, und es wollte ein jeder, übernahm das Ruder und wenngleich anfangs unser dabei gefahrene Kurs auch etwas sehr onduliert ausfiel,
so wurde im Laufe des Tages das Ergebnis unserer Steuerkünste immer besser.
Der wohltuende Rhythmus des Vortages ließ uns am späten Nachmittag eine zunächst als Badestop gedachte,
wildzerklüftete und mit Pinien bewaldete Bucht anlaufen.
Da wir jedoch nicht widerstehen konnten, einem vorbeifahrenden Fischer ein paar fangfrische Doraden abzukaufen
und andererseits man in dieser idyllischen „Privatbucht“ sicher wie in Abrahams Schoss lag, fiel die Entscheidung schnell, auch die Nacht hier zu verbringen.
Unser Sternerestaurant „ Pantry“ zauberte nebst frischem Salat den im Salzmantel gegarten Fisch auf die Back,
dazu als Nachtprogramm um uns herum tiefe Dunkelheit mit einem alles überspannenden, unwirklichen Sternenhimmel.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich es sein.

Der Morgen zeigte gerade die über dem Bergrücken aufbrechenden ersten Sonnenstrahlen, als wir den Anker lichteten.
Galt es doch, in einer recht langen Tagesfahrt die Bucht von Marmaris zu überqueren, um die kleine griechische Insel Symi zu erreichen.
Kein Windhauch kräuselte die See und so musste der im Maschinenraum leise grummelnde Motor ganze Arbeit leisten.
Die Sonne stand fast senkrecht über dem sich in der leichten Dünung sanft wiegenden Boot,
aber unter dem gespannten Sonnensegel fanden alle ein schattiges Plätzchen und der leichte Fahrtwind sorgte für angenehme Kühlung.
Dann ein Ruf: „ Delphine an Backbord!“ Plötzlich befanden wir von uns in einer Schule dieser eleganten Schwimmer,
die zum Teil nur wenige Meter neben uns dahinglitten und zu zweit oder dritt synchron  springend vor unserem Boot aus dem Wasser schnellten
und in der Bugwelle spielten.
Es war beeindruckend,  wie  uns diese Außenbords-Kollegen lächelnd anzublinzeln schienen und dabei von Zeit zu Zeit kleine Quieklaute von sich gaben.
Abends erreichten wir Symi, die Perle der ostgriechischen Inseln, wo wir  im ruhigen Pedi, einem langen, in hohe Hügel eingebetteter Landeinschnitt, vor Anker gingen. Nach dieser doch recht langen Tagesfahrt war es jetzt ein Labsal,  in das herrlich warme Wasser einzutauchen und ein paar kräftige Runden zu schwimmen.

Doch dann hieß es, sich landfein zu machen.
Mit dem Schlauchboot angelandet, enterten wir das Ufer und stiegen in den dort haltenden Kleinbus,
der uns nach Überwindung des trennenden Bergzuges zum nur wenige km entfernten Insel-Hauptort Symi brachte.
Überquellende Betriebsamkeit, enge Gassen, vielfältige Geschäfte, preiswerte und teure Restaurants, Cafes rund um den Hafen,
von denen sich das fröhliche Treiben auf dem Wasser und Strassen in Muße trefflich beobachten lässt.
Welcher Gegensatz: hier der quirlige Hauptort, dort die schroffe  Landschaft in ruhiger Abgeschiedenheit und eine Bevölkerung,
die jedes Jahr, bevor die Saison beginnt,  mit Farbtopf und Pinsel bewaffnet per Pedes oder Boot unter großem Hallo ausschwärmt,
um ihre 365  Kirchlein  in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Nach dem obligatorischen Morgenbad  zog uns in der leichten  Briese das große, bunte Vorsegel gen Osten in den Yesilova Golf,
vorbei an einer atemberaubenden Landschaftskulisse.
Dicht bewaldete Berghänge fallen sanft ins Meer ab, kleine Inseln verstecken dahinter liegende Buchten.
Bereits in Sichtweite unseres Tagesziels, dem kleinen Fischerdorf Bozburun, legten wir vor der kleinen Insel Kiseli Adasi die obligatorische Badepause ein
und waren erstaunt über den Fischreichtum, den wir beim Schnorcheln entdeckten.

Das alte Dorf Bozburun beginnt sich ganz behutsam etwas touristisch zu entwickeln,
aber noch beherrschen die Fischer, Handwerker, Teehäuser und Backgammon spielende Männer das Ortsbild.
Eine gut 4 km lange Uferstraße lädt zu einem Spaziergang ein, vorbei an kleinen Cafes, Pensionen mit Badeterrassen und traditionellen Werften,
auf denen die nostalgischen „Gulets“ aus Holz gebaut werden.
Abenteuerlich, wie auf einem schmalen Schlitten stehend, die mächtigen, bis 50 m langen Schiffe über Land und Strasse gezogen, zum Stapellauf ins Wasser gleiten.

Am nächste Tag führt uns der Kurs in den östlichen Bereich des Hisarönü Golfes zum Bencik Körfezi.
Eine fjordartige, unbewohnte Bucht scheidet zwischen dicht bewaldeten, rötlichen Fesen, ca. 3 km in das Land ein, an der schmalsten Stelle nur 200 m breit.
Im hinteren, fast wie eine Lagune geschlossenen Bereich wird für die Nacht der Anker geworfen.
Totale, fast unwirkliche Ruhe umgibt uns, man meint, seinen eigenen Herzschlag zu hören.
Wir ertappen uns dabei, plötzlich ganz leise zu sprechen, fast zu flüstern, um den bunten Eisvogel auf der Reling und die Stille nicht zu stören.
Wahrlich – ein kleines Paradies!

Ein Grillabend am steinigen Ufer beschließt den für jeden von uns auf eine besondere Weise beeindruckenden, romantischen Abend.
Unvergesslich das Zirpen der Grillen und die Geräusche des nächtlichen Waldes mit den klagenden Rufen der Käuzchens.

Ein Tag der Entspannung schließt sich an.
Mit dem Schlauchboot wird die klippenreiche Küste und der Bachlauf durch den Sumpf und das umgebende Waldgebiet erforscht,
bevor zum letzten Mal der Ruf „Reise Reise“ erschallt und wir am späten Nachmittag die kurze Distanz zur Selimiye Bucht gemächlich absegeln, unserem finalem Ziel. Unser Skipper hatte uns beim „ Aurora“-Restaurant im Scheitel der Bucht telefonisch angemeldet,
wo uns nach dem Anlegemanöver der Wirt Hüseyin und seine schwedische Frau Suzan mit einem frisch gezapften Bier herzlich begrüßten.
Liegestühle auf der Holzplattform  luden zum relaxen ein, am Takelmast wehte uns zu Ehren die Deutsche Flagge
und eine bequeme Holztreppe führte direkt ins glasklare Wasser.
Und dann das lauschige Restaurant unter üppigem Grün und in herrliche Blumen gebettet,
liebevoll dekoriert mit Bildern, Skulpturen und ausgefallenen Plastiken ( Suzans Vater ist in Schweden ein bekannter Bildhauer ), ein Ort zum Wohlfühlen.
Nach Landessitte und ohne Speisekarte besprachen wir bei Mokka und Raki mit dem Koch das Abschiedsdinner.
Die dann abends aufgetragenen Vorspeisen und die im steinernen Backofen gebratenen Lammschultern sprengten all unsere Vorstellungen.
Überwältigt genossen wir die letzten Stunden unserer erlebnisreichen Reise zwischen Okzident und Orient,
bevor uns der Skipper am nächsten Tag zu unserem Golfhotel brachte – eine unvergessliche Reise ging zu Ende!

Marlis Krüger

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